Kultur- und Kreativwirtschaft als Standortfaktor

In den letzten drei Jahrzehnten sind unzählige Publikationen zur Bedeutung kultureller und kreativer Milieus als  Standortfaktor sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum erschienen. Am Anfang schien es durchaus so, als handele es sich bei der neuen Aufmerksamkeit für Kultur-und Kreativschaffende im Zusammenhang mit der Bewertung von Immobilien, der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Attraktivität einer Region oder auch deren Beschäftigungs- und Wirtschaftsentwicklung um einen „Hype“. Mittlerweile lässt sich belegen, dass das Vorhandensein einer kulturellen und kreativen Szene in vielfacher Hinsicht positiv auf den Standort wirkt.

Handlungsfelder für kommunale und regionale Unterstützung der Kultur- und Kreativwirtschaft
Identifikation Wer ist wo vor Ort? Daten erheben.
Besonderheiten Profile erkennen, schärfen und nutzen.
Partizipation Hilfe zur Selbsthilfe von Akteuren und Netzwerken ermöglichen, an Bedarfen orientieren
Impulse Vernetzung initiieren und moderieren.
Einbindung Bestehende Strategien öffnen.
Abstimmung Alle relevanten Ressort sensibilisieren und verknüpfen.
Transparenz Ansprechpartner zuweisen.

Die offensichtlichste Wirkung ergibt sich, wenn Brachflächen durch die Ansiedlung von Kultur- und Kreativschaffenden revitalisiert werden. In vielen Fällen lässt sich der bauliche Aufwand zur Herrichtung in Grenzen halten, mindestens aber gegenüber anderen Nutzungsarten reduzieren. Gerade das Unfertige und architektonisch Brüchige ist oft die ideale Basis für eine lebendige und kreative Nutzung. Diese zieht zunächst weitere Kreative an, später oft ein breiteres Publikum zum Beispiel als Touristen, Besucher oder Kunden, sowie schließlich Unternehmen anderer Branchen, die die Nähe zu den vor Ort vorhandenen Kreativleistungen suchen.

Dabei muss nicht immer für eine Dauerhaftigkeit geplant werden. Kreative Raumpioniere werten auch durch zeitlich begrenzte Mietverhältnisse als Zwischennutzer die sonst leerstehenden Flächen auf. Oft zahlen sie sogar mindestens die Nebenkosten oder sogar eine Basismiete. Sie verhindern dadurch den weiteren Wertverfall der Objekte und machen sie Schritt für Schritt wieder interessant für reguläre Mieter oder Käufer.

Mit der ersten MAIN ART wartete die Region am bayerischen Untermain mit einer neuen internationalen Messe in der Kunstlandschaft auf. Es soll eine lebendige Kunstszene im Einzugsgebiet der großen Metropolen Frankfurt und Würzburg am Main entstehen. Der Grundstein hierfür ist gelegt. Rund 100 Künstler aus 11 Nationen haben die Frankenhalle in Erlenbach a. Main 2015 in ein Kunstforum verwandelt. An vier Messetagen erfreute sich die erste MAIN ART über 2.500 interessierte Besucher. Nächster Termin: Mai 2017. Infos erhalten Sie unter www.mainart-messe.de

Mit der ersten MAIN ART wartete die Region am bayerischen Untermain mit einer neuen internationalen Messe in der Kunstlandschaft auf. Es soll eine lebendige Kunstszene im Einzugsgebiet der großen Metropolen Frankfurt und Würzburg am Main entstehen. Der Grundstein hierfür ist gelegt. Rund 100 Künstler aus 11 Nationen haben die Frankenhalle in Erlenbach a. Main 2015 in ein Kunstforum verwandelt. An vier Messetagen erfreute sich die erste MAIN ART über 2.500 interessierte Besucher. Nächster Termin: Mai 2017. Infos erhalten Sie unter www.mainart-messe.de

Insgesamt fördern Kultur- und Kreativschaffende vor Ort direkt die Ansiedlung von Unternehmen aller Branchen und steigern deren Anziehungskraft für gut ausgebildete Fachkräfte. Indirekt wirkt sich eine inspirierende Kultur- und Kreativszene unterstützend für die Gründerkultur und damit für den so wichtigen unternehmerischen Nachwuchs vor Ort aus.

Alles dies steigert in erheblichem Maße den Imagefaktor von Stadt oder Region und macht sie lebenswerter. Im Falle der Kultur- und Kreativwirtschaft, also der erwerbswirtschaftlichen bzw. unternehmerischen Aktivität von Kultur- und Kreativschaffenden, entwickeln sich nach den notwendigen Anfangsinvestitionen im Erfolgsfall nachhaltig tragfähige lokale Wertschöpfungsketten und Märkte.

Die Relevanz der Kultur- und Kreativwirtschaft für die Standortentwicklung unterstreicht auch das Creative Cities Netzwerk der UNESCO. In diesem Verbund haben sich 69 Städte aus 32 Ländern zusammengeschlossen, die Kultur- und Kreativwirtschaft als strategischen Faktor für eine nachhaltige Stadtentwicklung erkannt haben.

Vorrangiges Ziel dieser und vieler anderer Städte ist es, durch optimierte Bedingungen für Kultur- und Kreativschaffende wirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigung zu fördern. Weitere Zielsetzungen sind die Infrastruktur- und Stadterneuerung, Aus- und Weiterbildung, Marketing und die bessere Nutzung der vor Ort vorhandenen Kulturgüter sowie der öffentlich geförderten Kunst- und Kulturinstitutionen.

Trotz der in den überwiegenden Fällen ökonomisch motivierten Kultur- und Kreativwirtschaftsförderung ist dabei von entscheidender Bedeutung, dass der wirtschaftsorientierte Ansatz etwa von Ansiedlungsimpulsen, Quartiersentwicklung, Gründungs- und Beschäftigungsförderung zwingend durch einen kulturorientierte Ansatz ergänzt werden muss, der kulturelle Vielfalt vor Ort ermöglicht, Identität stärkt und Bildungs- sowie Imageeffekte hat. Nur durch die Verbindung dieser zwei Interventionsansätze entstehen Orte mit vielfältigen und inklusiven Kunst- und Kulturangeboten, an denen sich kreative Talente entfalten und zu einer innovativen und wettbewerbsfähigen Unternehmensbasis beitragen können.


 

Das Bayerische Zentrum steht kommunalen Entscheidungsträgern, Vertretern regionaler Institutionen, Netzwerken und Initiativen sowie interessierten Unternehmen aller Branchen für Beratung und Analysen der Potenziale vor Ort zur Verfügung:

kontakt@bayern-kreativ.de | www.bayern-kreativ.de

 

Titelfoto: Stefan Effenberg, Stadt Regensburg – Vor der Eröffnung des neuen Kreativstandorts “Degginger” in Regensburg fand dort von 22. bis 24.07.2015 die con_Temporary Veranstaltung als Zwischennutzung statt. http://contemporary-regensburg.de

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Dirk Kiefer

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